Abwasserwärme geht in Betrieb

(vom 29.10.2010)

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Am 25. Oktober nahm Margit Conrad, Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, im Beisein zahlreicher geladener Gäste die zukunftsweisende Wärmeversorgung der fünf Stadtvillen am Yachhafen-Süd in Speyer offiziell in Betrieb. Bei dem in Rheinland-Pfalz einzigartigen Leuchtturmprojekt realisierten die Stadtwerke Speyer die regenerative Energiegewinnung ausschließlich mit Abwasserwärme und Solarthermie. Auf konventionelle Energieträger wie Öl und Erdgas konnte völlig verzichtet werden.

Herzstück der Wärmeversorgung ist ein ca. 100 Meter langer „Edelstahlwärmeüberträger" (Wärmetauscher), der in einen in der Nähe vorbeiführenden bestehenden Abwasserkanal (DN 1400) eingebracht wurde und über ein sog. „kaltes Nahwärmenetz" fünf Wärmepumpen (je 40 kW) in den jeweiligen Häusern Energie für die Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser bereitstellt. Die Nutzung von Abwasserwärme mittels Wärmepumpen bietet gegenüber anderen Medien (z. B. Grundwasser oder Luft) den entscheidenden Vorteil, dass die Wärmepumpen ganzjährig mit einer deutlich höheren Quelltemperatur und damit effektiver arbeiten können als beispielsweise bei Luft oder Grundwasser. Auf Basis vor Ort durchgeführter Messungen weiß man, dass selbst in strengen Wintern die Abwassertemperatur den Schwankungsbereich 14°C bis 18°C nicht unterschreiten wird. Damit ist sichergestellt, dass die Wärmepumpen hier mit der hohen Arbeitszahl von 4 betrieben werden können.

Unterstützt werden die Wärmepumpen insbesondere im Sommerhalbjahr durch insgesamt rd. 100 m² Solarkollektoren die auf den Flachdächern der neuen Gebäude errichtet wurden. Konsequent wurde bereits in den Anfängen der Gebäudeplanung darauf geachtet, dass Gebäude und Heizflächen auf die Art und Weise der Wärmeversorgung optimal abgestimmt sind und somit mit niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen (Fußbodenheizung) optimale Betriebsbedingungen realisiert werden können. Ausgestattet mit 2 Pufferspeichern (à 1000 Liter) je Gebäude und einer individuellen Regelung für jede Heizzentrale wird erreicht, dass der Stromeinsatz für die Wärmepumpe minimal bleibt.

Der Primärenergiebedarf liegt im Vergleich mit einer modernen herkömmlichen Heizungsanlage um mindestens 40 Prozent darunter. Die Gebäudehülle, als KFW 60-Standard ausgeführt, erreicht durch die innovative Heizungsanlage einen Wert, der tatsächlich deutlich dar-unter liegt und fast dem KFW 40-Standard entspricht; wohlgemerkt ohne, dass der Bauherr in aufwendige Dämmmaßnahmen investieren musste.

Dem in Rheinland-Pfalz einzigartigen Pilotprojekt liegt ein Energiekonzept des Steinbeis-Transferzentrums EGS, Stuttgart, der Ryser-Ingenieure AG, Bern, und des Büros eam, Zürich, zugrunde.

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