Normand-Areal ist Vorzeigeobjekt

(vom 11.07.2014)

Mit allen Sinnen: Markus Sohn (SWS) zeigt den Gästen aus der Ukraine den wohlriechenden Brennstoff in der Heizzentrale Normand.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat eine Delegation mit Vertretern aus Politik und Wissenschaft aus der Ukraine nach Deutschland eingeladen. Robert Künne, GIZ, sowie eine Dolmetscherin begleiten die Gruppe bei ihrer knapp einwöchigen Tour. Die Informationsreise soll den Gästen einen Einblick in den Aufbau von Energieagenturen geben und einige beispielhafte Projekte aus dem Bereich Energieeffizienz  hierzulande vorstellen. Dabei fiel die Wahl auch auf das Nahwärmekonzept der SWS im Konversionsgelände Normand.

Für die Mitglieder der Delegation aus dem ukrainischen Odessa, die am Donnerstag aus Mainz anreisten, war es nicht zu glauben: 110 Wohn- und Mehrfamilienhäuser im Quartier Normand werden durch einen einzigen Holzhackschnitzelkessel beheizt. Bei einer Führung in der Heizzentrale der Paul-Egell-Straße erläuterte Markus Sohn von den Stadtwerken Speyer (SWS), wie das funktioniert. Der Teamleiter Nahwärme und Energiedienstleistung erklärte das Konzept. „Die Anlage geht nie aus, sie läuft von Oktober bis Ende April 24 Stunden am Tag durch“, machte Sohn die Leistungsfähigkeit des 650-Kilowatt-Kessels deutlich. 4000 Stunden kämen dadurch per anno zusammen, genutzt würden Hackschnitzel von heimischem Holz – ein Zeichen der nachhaltigen Energiewirtschaft. Im Gegensatz dazu laufe der Gasniedertemperaturkessel nur 750 Stunden im Jahr.

Beide Einrichtungen zählten aber zu den fünf Säulen, auf denen die Heizzentrale aufgebaut ist. Ergänzend nannte Sohn die 300 Quadratmeter fassende Solarthermieanlage, das Blockheizkraftwerk und den Pufferspeicher mit einer Kapazität von 25.000 Litern. Sowohl Sohn als auch SWS-Geschäftsführer Wolfgang Bühring hoben Nahwärmenetze als effiziente Versorgungskonzepte für eine Stadt hervor. Bühring machte in dem Zusammenhang deutlich: „Man muss auch bereit sein zu investieren.“ Die Versorgung mit Energie lasse sich in keine Schablone pressen. Individuell müsse für jeden Ort über die besten einzusetzenden Techniken entschieden werden.

Dass gerade die Heizzentrale im Quartier Normand dazu gedient hat, die Stabilität verschiedener Projekte zu testen, hob Bühring hervor. „Die Vorgabe damals lautete: Möglichst viel verschiedene Energie einsetzen und dennoch einen günstigen Wärmepreis für die Bürger erzielen.“ Generell stünden unterschiedliche Speichersysteme im Fokus. Die Menschen im Wohngebiet mit dem Thema erneuerbare Energien zu erreichen, sei eine der Aufgaben der SWS, die sich – so Bühring – mittlerweile als energiewirtschaftlicher Gesamtdienstleister sehen. Contracting-Verträge sollen helfen, den Bürgern eine nachhaltigere Versorgung näher zu bringen.

Oberbürgermeister Hansjörg Eger verwies seinerseits auf die vielen Bausteine, mit denen im Sinne einer ressourcenschonenden Vorgehensweise gearbeitet wird. „Ich kann allen kommunalen Kollegen viel Mut machen, denn Klimaschutz beginnt auf der örtlichen Ebene“, stellte er angesichts der positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre heraus. Beeindruckt waren die Ukrainer von dem Ansinnen, bis 2030 im Bereich Strom und bis 2040 im Bereich Wärme zu hundert Prozent regenerativ in Speyer zu werden.

Das Heizsystem im Quartier Normand hat eine Gesamtleistung von 1,6 MW, der Gesamtwärmebedarf des Wohngebiets liegt bei zirka 4000 MWh pro Jahr. Eine Zahl imponierte der Delegation besonders: 800 Tonnen CO2 können durch den Einsatz des Holzhackschnitzelkessels, etwa 140 Tonnen durch die Solarthermie jährlich eingespart werden.

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