Innovative Technik in historischem Gewölbe

(vom 17.06.2015)

Konzerte mit Kältefaktor und zunehmende Ausfälle – diese Zeiten sind in der Gedächtniskirche vorbei. An das Fernwärmenetz der Stadtwerke Speyer (SWS) angeschlossen wurde das Gotteshaus, das im Besitz der Evangelischen Landeskirche ist. Gestern wurde die innovative Heiz- und Lüftungstechnik vorgestellt. Dazu zählt neben dem Schaltschrank im Keller ein einfach zu bedienender Touchscreen-Monitor in der Sakristei. Dank der Kooperation mit den SWS wurde die erstmals in der Form installierte Steuerung nicht nur fachgerecht umgesetzt, sondern blieb mit rund 30.000 Euro Investitionskosten im Rahmen.

Heizungssteuerung am Touchscreen-Monitor in der Gedächtniskirche
Norbert Pelgen (SWS) erläutert die Heizungssteuerung am Touchscreen-Monitor in der Sakristei der Gedächtniskirche. Dekan Markus Jäckle (l.), der zukünftige Nutzer, und Jürgen Hermes (SWS) sind von der Technik begeistert.

Premiere feiert ein System, das bei Dekan Markus Jäckle Freude auslöst. Im Vorfeld festlegen können er und seine Dekanatsmitarbeiter, zu welchen Zeiten sich die Gedächtniskirche erwärmen soll. Um ein halbes Grad pro Stunde soll die Durchschnittstemperatur von 14 Grad rechtzeitig ansteigen. Der Prozess beginnt bei Taufen beispielsweise acht Stunden im Voraus, da bei der Zeremonie 18 Grad herrschen sollen. Dass ein langsames Aufwärmen notwendig ist, hängt mit der Orgel zusammen, denn die verträgt keine allzu schnellen Temperaturschwankungen.

„Das System berechnet selbstständig Vorlaufzeit und Temperatur“, ist Jäckle begeistert von der intelligenten Technik, die auf Eingaben des Nutzers reagiert. Die grundsätzlichen Vorgaben, an denen sie sich orientiert, sind durch Fachpersonal der Firma Samson nach Ende der Montagearbeiten im Frühjahr gespeichert worden.

Sensoren in der Kirche

Zwar seien bereits andere Kirchen wie St. Josef an die Fernwärme angeschlossen, die Konzeption der Gedächtniskirche jedoch sei ein Novum für die SWS, stellte der stellvertretende Geschäftsführer Jürgen Hermes heraus. Sensibel und gleichermaßen robust sei die Anlage, zu der Lüftung sowie Radiatoren und Fußbodenheizung gehören. „Die notwendigen drei Sensoren sind an den passenden Stellen in der Kirche verteilt“, ergänzte Meister Norbert Pelgen, der von Seiten der SWS den Einbau vom Angebot bis zur technischen Abnahme begleitet hat.

Schon 2012 wurde Fernwärme in dem Gebiet um die Gedächtniskirche eingerichtet. Die vorgegebene Hausanschlusslänge von 151 Metern machte es notwendig, mit dem Martin-Luther-King-Haus ein zweites Objekt anzuknüpfen. So erst wurde der Leitungsbau wirtschaftlich. Nicht zuletzt war die Heizungsanlage des MLK-Hauses bereits über 20 Jahre alt und ebenfalls unzuverlässig. Während der Sperrung der Landauer Straße wurde die Leitung von der Schützenstraße aus verlegt.

Die Komponenten für die Kirche – wie Fernwärme-Übergabestation, Schaltschrank für die zentrale Steuereinheit und die Unterstation für Radiatoren und Fußbodenheizung – kamen im Frühjahr 2015 an. Über eine schmale Treppe musste alles in den Keller transportiert werden.

Beitrag zum Klimaschutz

„Die Stadtwerke konnten ein gutes Angebot unterbreiten“, betonte Hermes. Für Jäckle ist die aufgebrachte Summe „gut investiertes Geld“. Einen großen Vorteil sieht er darin, dass die Heizung dank der technischen Voraussetzungen auch vom Dekanat oder vom Mobiltelefon aus programmiert werden kann.

Positiv in die Zukunft blicken kann die Evangelische Landeskirche für die Speyerer Kirche gleich zweifach. Zum einen sei eine Störung bei der Fernwärmeversorgung mehr als selten, wie Pelgen betonte, zum anderen sei mit einer deutlichen Energieeinsparung zu rechnen. Der Klimaschutz, das führte Verwaltungsrat i.K. Peter Höfer an, sei schließlich die Hauptmotivation zur Umstellung gewesen.

Dass sich die Verantwortlichen auch künftig auf die SWS verlassen können, stellten deren Vertreter außer Frage. „Bei einer technischen Störung wird eine E-Mail an vorgegebene Adressen geschickt, die in eine SMS umgewandelt und dem Bereitschaftsdienst der SWS zugesandt wird. So können wir unmittelbar und zielgerichtet eingreifen“, versicherte Pelgen.

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